gezielt

Die Geschichte läuft also so [um meinem Blogtitel einmal auch faktisch ein wenig mehr nachzukommen]:

Ich hatte wohl immer schon ein äußerst gering ausgeprägtes Suchtpotential. Das mag daran liegen, dass ich, bei aller vorhandenen Neugierde in jedem Sinn wohl stets dazu neig(t)e, vor Allem ziemlichen Respekt zu haben. Ich habe also zwar schon früh angefangen, Erfahrungen mit verschiedensten Substanzen zu sammeln; doch mindestens ebenso ausgleichend war dann auch bald wieder meine Sehnsucht nach Formen echter Nüchternheit.
Kurze, intensive Phasen des „sich ausprobierens“ haben also immer für mich automatisch deutlich längere Phasen der „Unbeholfenheit“ gefordert.

Nun hatte ich also vor längerer Zeit gegen die Inkontinenz der alte Katze einige Tabletten Ephedrin bekommen. Das Tier aber gibt es bekanntermaßen schon einige Zeit nicht mehr. Dafür entstand einmal vor ein paar Wochen die Situation, dass ich ein Wochenende lang nicht zum Schlafen kam, dennoch aber meine Arbeit zu erledigen hatte. Da habe ich zum ersten mal mit kleinen Dosen der verbliebenen Substanz nachgeholfen, um den Anforderungen gewachsen zu sein.
Sonntags dann [ich vernachlässige die externen Gründe weiterhin an dieser Stelle], kam ich erneut in die Situation, dass mir überdeutlich wurde, dass ich in meinem Normalzustand der Menge an anstehenden Aufgaben nicht gewachsen bin.

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, welche Formen von kurzfristiger externer Unterstützung für meine Situation wirklich hilfreich sein könnten. Wie ich heute weiß, habe ich mein Funktionieren treffender eingeschätzt, als ich selbst ernsthaft geglaubt hatte. Am ersten Tag, als ich entschieden war, hat es wunderbar gewirkt und meine lebenslang bekannten Konzentrationsstörungen außer Kraft gesetzt. Die beiden Tage danach – in erneut extern begründetem emotionalen Aufruhr – konnten sie nichts bewirken. Außer der zurückkehrenden Sehnsucht nach völliger Nüchternheit. Also einen Tag ganz ohne verbracht, nicht mehr oder weniger effizient.

Die wesentlichste Auffälligkeit aber ist, dass ich schlagartig wieder nicht mehr ausreichend müde werde. Es ist, als würde ich in einem dauerhaft dermaßen gedämpften Zustand bleiben, sodass der Körper keine echte Müdigkeit entwickeln kann. Als bliebe der Zustand zwischen ruhend und wach so gleichförmig, dass er der echten Erschöpfung seinen Dienst verweigert.
Während also mit dem Behelf die Tage wacher und die Abende angemessen erschöpft und bald schlafend Bett verlaufen, finde ich einfach keine Ruhe, wenn ich im „Normalzustand bleibe“.

Dagegen habe ich immer noch keine „nüchterne“ Strategie gefunden. Erstaunlich also fast, dass ich „nicht nüchtern sein“ trotz allem immer nur sehr kurzfristig interessant finden kann.

[Sich selbst Karrotten vor die Nase hängen. Verdammt, ich will endlich auf mein Potential der wirklich lichten Momente regelmäßig zugreifen können. Daran artbeite ich schon gezielt, seit ich bewusst mit meinen Experimenten begonnen habe. Seit 20 Jahren also. Und trotz allem Erreichten – stellen sich die Erfolge immer noch nur dermaßen zäh ein. Ich werde nie wieder behaupten, ich hätte keinen Ehrgeiz. Auch wenn der sich nur widerwillig in die üblichen kulturellen Erwartungen und Normen fügen mag.]

~ von psewdonima am 7. Mai 2009.

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