veräußert

Es ist einer der Tage, an denen sich die Farbe wie von alleine um die feinen Haare legt. Die Konsistenz der Substanz hat die perfekte Form angenommen, damit der feine Stift einen Farbpatzen aufnehmen kann, und die Farbe entlang des Lides fast wie magnetisiert angezogen wird. Die Augen sind konzentriert auf das eigene Spiegelbild gerichtet, die Hand bleibt heute ruhig – und die brennende Substanz sucht sich wie von selbst ihren Weg an den richtigen Platz. Im Anschluss sind die Augenbrauen wieder schön dunkel, die Wimpern erneut tiefschwarz, und der Blick bekommt sein gnadenlos direktes, blaues Strahlen zurück.

Der gleiche Blick ist es aber auch, der geübt die schwarzen, länglichen Haare anvisiert, die sich beginnen, um die gut sichtbar rosigen Bustwarzen zu entwickeln. Die gleiche Hand ist es, die ihnen geübt mit einer Pinzette ihre Existenz abspricht. Und Halt, sind nicht auch die Haare im Gesicht borstiger und unregelmäßiger geworden? So wie die weißen Einzelstücke am braunen Kopf sich zunehmend vermehren?

Zu denken, man hätte kein Problem damit, den Körper altern zu sehen, nur weil die Vorstellung einmal deutlich sichtbare Falten zu haben anscheinend nicht ängstigt, wird absurd. Wir tun doch immer alles, um das Altern zu verbergen, um die Endlichkeit zu leugnen, nichts sonst ist hinter all dem Design verborgen. Sich vorzustellen, wie man mit Falten aussieht und dabei keine Angst zu bekommen, ist eine Sache. Die Handlungen aber sprechen eine ganz andere Sprache.

Wenn aber die Augen ihr strahlendes Blau zurückhaben [weil die Hand so ruhig und der Blick so klar bleibt, dass sich die potentiell schmerzhafte Substanz sogar bis an den unteren Innenrand des oberen Wimpernkranzes verstreichen lässt], macht es wieder Spaß, auf die eigene Oberflächlichkeit zu blicken – und schlagartig auch wieder zu wissen, warum es manchmal so unerträglich ist, wie adrett hier alles ist.

Ich werde wohl nie aufhören können, bis an die Grenzen des Aushaltbaren gehen zu wollen. Damit wird all das aber immer auch einfach nur Spielfeld. Und auf denen darf man, bekanntermaßen, manchmal bei allem Ernst der Lage auch einfach nur ein bisschen Spaß haben.

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~ von psewdonima am 24. April 2009.

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