wienern

„Na, weißt’, da gibts anfoch Regl’n. Des is ned schwer. Du musst ganz langsam anfangen, und dann immer heftiger werden. Zum Tier werden. Zuerst musst du ein paar nette Sachen sagen, sie sanft streicheln, und dann der Nacken. Da fährst a’foch mit deinen Nägeln ihren Rücken hoch und dann im Nacken musst sie reinbohren. Da musst ihr einfach gleich mal zeigen, wo’s lang geht. … Und du musst sie beobachten, ganz genau beobachten, wie sie sich verhält.“

Die Straßenbahn war zum Bersten voll, neben mir stand ein alter Mann, dessen Blick den meinen etwas ratlos bloß kurz streifte, nachdem wir uns erst beide mit großen Augen umgesehen hatten. Dann konnte ich nicht mehr, und musste zu Boden sehen, um mein Schmunzeln zu verbergen und damit zu verhindern, lauthals loslachen zu müssen – und damit dieses Ereignis ungewollt zu intervenieren.
Der Ratgeber war überseht von Tätowierungen, auf seinen bloßgelegten muskulösen Armen, über denen ein paar lange Rocker-Federn schwebten. Ebensogut hätte er eine Bedienungsanleitung für ein Elektrogerät vorgetragen haben können, so gleichförmig blieben der Wiener-Slang und die unberührte Tonlage. Sachlich. Mitten in der übervollen, sonnendurchfluteten Straßenbahn, direkt vor der Universität.

Ich hätte ewig so weiterfahren mögen, um die Skurrilität der Situation für immer in die synästhetischen Regionen meines Gedächtnisses einbrennen zu lassen. Aber wahrscheinlich war diese eine Station sogar alles, was es brauchte.

[Und vielleicht hat er ja auch nur über Tiere gesprochen. Eine Boxerhündin hätte auch gepasst.]

~ von psewdonima am 6. April 2009.

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